Was sind Taxonomien? Funktion von Taxonomien Struktur von Taxonomien Typen von Taxonomien | Quellen zum Nachschlagen Weiterführende Ressourcen |
Was sind Taxonomien? |
Für Taxonomien gibt es keine Normen oder Standards. Der Entwurf des ANSI/NISO-Standards von 2005 erwähnt Taxonomie nur kurz.
Mit "Taxonomie" werden in der Informationspraxis heute allgemein hierarchisch strukturierte kontrollierte Vokabulare bezeichnet. Ursprünglich für die Systematik der Lebewesen in der Biologie eingeführt, wurde der Begriff ausgeweitet und nicht mehr nur für die "wissenschaftliche Taxonomie" der Biologie verwendet, sondern auch in anderen wissenschaftlichen und informationspraktischen Zusammenhängen gebraucht.
Ta|xo|no|mie, die; - [zu griech. táxis= Ordnung u. nomos= Gesetz] (Bot., Zool.):
Zweig der Systematik, der sich mit der Einordnung der Lebewesen in Taxa befasst.
[© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001]
taxonomy 1828, from Fr. taxonomie (1813), introduced by Linnæus and coined irregularly from Gk. taxis "arrangement" (see taxidermy ) + -nomia "method," from -nomos "managing," from nemein "manage" (see numismatics). [Etymonline]
Taxonomie
(griech. taxis 'Ordnung', -nomia 'Verwaltung') Die T. ist die Lehre von den Methoden der Klassenbildung auf der Grundlage von Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen den der T. unterworfenen Gegenständen.
[Lexikon Sprache: Taxonomie, S. 1. Digitale Bibliothek Band 34: Metzler Lexikon Sprache, S. 9782]
Eine Taxonomie ordnet eine Menge von Gegenständen durch Kategorisierung oder Klassifizierung in Form einer Hierarchie. In diesem weiten Sinn fallen auch Klassifikationen und Systematiken unter den Begriff der Taxonomie. Häufig werden die Bezeichnungen Taxonomie, Klassifikationssystem und Systematik heute synonym gebraucht. Im Folgenden werden Klassifikationen als eine Ausprägung von Taxonomien verstanden.
Funktion von Taxonomien |
Taxonomien und Klassifikationen werden benutzt
Sie eignen sich für die gezielte Suche in Hierarchien, z.B. bei wissenschaftlichen Datenbanken, oder zum Browsing (Navigieren, Stöbern) in den Suchbäumen bei Internetanwendungen.
Struktur von Taxonomien |
Taxonomien beruhen auf den allgemeinen Prinzipien der Klassifikation:
Die Semantik der hierarchischen Relationen ist bei Taxonomien in der Praxis mehr oder weniger präzise definiert. Bzgl. der Aussagekraft der Relationen haben Taxonomien ein weites Spektrum zwischen stärker formalisierten wissenschaftlichen Taxonomien und den "Browsing-Taxonomien" (auch: subject guides, Web guides, subject categories, subject directories, subject hierarchies, pathfinders).
Die folgende Definition beschreibt die Merkmale einer formalen Taxonomie:
"In a taxonomy, you have three types of objects: collections, classes, and instances; and the relationships among those types are explicitly defined. In a taxonomy, formal rules establish what attributes define class membership. This generally means you can automatically put new instances into classes based strictly on their attributes." [Melzer 2005]
Formale Taxonomien wie die wissenschaftliche biologische Systematik (grafische Darstellung) beruhen auf der generischen Klassenbildung, d.h. jeder Unterbegriff teilt alle Merkmale mit seinem Oberbegriff und hat darüber hinaus mindestens ein weiteres spezifizierendes Merkmal (
grafische Darstellung). Diese Art der Relation wird auch als Generalisierung/Spezialisierung bezeichnet und entspricht der
generischen Relation. Jeder Unterbegriff steht zum Oberbegriff in der Beziehung "ist eine Art von" (IsA).
Folgende Charakterisierung von "folksonomies" beschreibt den Typ der "Browsing-Taxonomien" treffend:
"What you find in a folksonomy is just collections and instances - basically, things and groups of things. A group of things, labeled with a tag, share only one attribute - membership in the collection. There are no formal inclusion criteria, and we can't predict what a new member might look like. Without formal class definitions, we have no way of knowing why a thing is a member of a group, we only know that it either is or isn't." [Melzer 2005]
Taxonomien dieser Art, aus Internetkatalogen wie Yahoo bekannt, sind meist für den Alltagsgebrauch gemacht. Hier sind Über- und Unterordnungsrelation nicht streng definiert. Um ein intuitives Browsing zu ermöglichen, werden Begriffe und Sachverhalte umfassenderen Kategorien oft ohne explizite logische Regeln zugeordnet. Diese Relationierung entspricht eher einer Zuordnung oder "Vorkommensbeziehung" [Kiel/Rost 2002] als einer Unterordnung. Ein Beispiel aus Yahoo zur Illustration: "Autos" sind keine Art von "Reisen und Freizeit".
Typen von Taxonomien |
Neben der "klassischen" biologischen Taxonomie und den Internetanwendungen von Taxonomien sind vor allem die Klassifikationen im wissenschaftlich-technischen und im bibliothekarischen Bereich von Bedeutung.
Klassifikationen sind seit dem 19. Jahrhundert im Bibliotheksbereich weit verbreitet zur systematischen Ordnung der Gegenstände und des Wissens über die Gegenstände.
"Klassifikationssysteme sind Hilfsmittel zur Ordnung von Gegenständen oder Wissen über Gegenstände." [DIN S, 2 (3)
"Eine Klassifikation ist die Zuordnung von Gegenständen oder Sachverhalten in vorher festgelegte Fächer oder Gruppen." [Kiel/Rost, S. 65]
Wie Taxonomien sind sie kontrollierte Vokabulare mit einer hierarchischen Struktur, die auf dem Prinzip der Klassenbildung beruht. Im Unterschied zu Taxonomien sind Klassifikationen meist künstlichsprachig basiert, d.h. die Begriffe werden durch Notationen (z.B. Ziffern- oder Buchstabenkombinationen) repräsentiert.
Die deutsche Norm definiert für Klassifikationen "Arten von Begriffsbeziehungen" (s. DIN 32 705:1987, 3.3.2) wie die hierarchische, generische und partitive Beziehung. In der Praxis werden die Relationen aber auch im wissenschaftlichen und bibliothekarischen Bereich nicht immer regelhaft gebildet und die Kriterien der Zuordnung zu einer Klasse sind nicht immer transparent. (S. dazu die Kritik von Konrad Umlauf an
der Internationalen Universalen Dezimalklassifikation
(UDK) und der Dewey Decimal Classification (DDC) (s.a.
ddc.deutsch).
Es werden zwei Typen von Klassifkationen unterschieden:
Präkombinierte Klassifikationen (auch: enumerative Klassifikationen) führen jede Klasse des Klassifikationssystems in hierarchischer Ordnung auf, wobei "alle erforderlichen Einfach-, differenzierte und Verbundklassen (grafische Darstellung) bereits enthalten sind." [Buchanan 1989, S. 27]
Beispiel präkombinierte Klassen
Facettenklassifikationen (auch: analytisch-synthetische Klassifkationen) führen nur Einfachklassen auf, das sind Klassen, für deren Definition ein Merkmal herangezogen wird.
"Einfachklassen enthalten Gegenstände, zu deren Bestimmung nur ein Merkmal herangezogen wird." [Buchanan 1989, S. 18]
"In einer Klassifikation für die Literaturwissenschaften ist 'Lyrik' eine Einfachklasse. 'Barocklyrik' dagegen ist eine differenzierte Klasse." [Quelle: Schulz 2004] Die Klassen müssen disjunkt sein (sich gegenseitig ausschließen), um eindeutige Zuordungen zu ermöglichen. Die Bezeichnung analytisch-synthetische Klassifikation geht zurück auf die angewandten Methoden der Analyse des Gegenstandsbereichs mit der Bildung von Einfachklassen und der Beschreibung der Gegenstände durch Synthese der Werte aus den Einfachklassen.
Beispiel facettierte Klassen
Vergleich der Klassifkationstypen
zu Beispielen für Taxonomien
zu Beispiel für Facettenklassifikation
zu Beispiel für Präkombinierte Klassifikation
Quellen zum Nachschlagen |
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