Abstract

Was ein Abstract ist, legt wird in der deutschen DIN Norm 1426 in einer Weise festgelegt, die sicherlich von den meisten Fachleuten akzeptiert werden kann: "Das Kurzferefatgibt kurz und klar den Inhalt des Dokuments wieder".

Ein besonders gelungenes Abstract ist zuweilen klarer als der Ursprungstext selber, darf aber nicht mehr Informationen als dieser enthalten. Abstracts reduzieren Texte bezüglich ihres proportionalen Gehaltes.

Zur Funktion von Abstracts

  • Die wesentliche Eigenschaft eines Abstracts ist die Referenzfunktion (soll auf das Original verweisen, es nicht ersetzen). Die Funktion eines Abstracts erlischt, wenn der Leser beginnt, sich mit dem Originaltext auseinanderzusetzen.
  • Abstracts ersparen Lesezeit, der Reduktionsfaktor wird von Borko/Bernier auf 1:10 bis 1:12 geschätzt.
  • Abstracts erlauben ein besseres Assimilieren und Integrieren des Gelesenen in die eigenen Wissensbestände als sehr umfangreiche Originaltexte.
  • Abstracts gestatten besser als andere Formen, z.B. Titel, die Selektion von relevanten Originaltexten.
  • Abstracts sind ein nützliches Hilsmittel,um
  • Sprachbarrieren zu senken. Da viele der internationalen Referateorgane bzw. Datenbasen in englischer Sprache produziert werden, reichen einfache Englischkenntnisse aus, um zumindest (im Sinne der Referenzfunktion) die relevanten von den irrelevanten Originaltexten zu trennen und gegebenfalls die ersteren übersetzen zu lassen.
  • Abstracts (darin vergleichbar Titeln) mit ihren in der
  • Abstracts erleichtern die Erstellung von Übersichtsartikeln und Bibliographien.

Erstellung von Abstracts

Abstracting ist im Bewußtsein derjenigen, die sich professionell und praktisch damit beschäftigen, eher eine Kunst als ein regelgeleiteter Routineprozess. Gemeint ist damit, dass die AutorInnen von guten Abstracts beim Schreiben ihrer Texte häufig intuitiv vorgehen und nur schwer vermitteln können, nach welchen Regeln sie ihre Abstracts verfassen. Die Charakterisierung als "Kunst" halten wir für etwas übertrieben angesichts der Millionen in der Regel unter Zeitdruck produzierten Abstracts in den großen Referateorganen bzw. den entsprechenden Online-Versionen. Chemical abstracts beispielsweise enthält zur Zeit ca. 11 Mio Dokumentationseinheiten (DE) mit einem Zuwachs von ca. 450 000 DE/Jahr und Biological Abstracts ca. 7,5 Mio DE mit einem Zuwachs von 250000/DE im Jahr Zuwachs. Auf jeden Fall so die einhellige Meinung setzt der Vorgang des Abstracting, neben 'handwerklicher Kenntnisse' über die Erstellung von Abstracts (wie Vertrautheit mit DIN-Normen und Regelwerken) in hohem Maße Kompetenz im Fachgebiet der zu referierenden Texte voraus.

Typen von Abstracts

DIN 1426 stellt Abstracts in den Allgemeinen Kontext der Inhaltsangaben als "verkürzte Darstellung[en] des Inhalts [von] Dokument[en]" und unterscheidet zwischen:

a) Inhaltsverzeichnis

b) Auszug

c) Zusammenfassung

d) Annotation

e) Kurzreferat (Abstract)

f) Sammelreferat

g) Rezension und Sammelrezension

h) Literaturbericht

In diesem Zusammenhang sind vor allem die Formen b,c,d,e einschlägig, so daß deren Beschreibungen nach DIN 1426 hier wiedergegeben werden sollen:

Auszug:

Ein Auszug ist die verkürzte Wiedergabe eines Dokuments durch ausgewählte, repräsentative Teile. Hierbei können auch Teile ausgewählt werden, die im Originaldokument nicht direkt aufeinander folgen (Sätze, Abschnitte, bei Filmen: Schnittfolgen)

Zusammenfassung:

Eine Zusammenfassung ist die Darstellung der wesentlichen Ergebnisse und Schlußfolgerungen eines Dokuments oder von Teilen eines Dokuments und steht meist am Ende eines Textes, den sie im allgemeinen zu ihrem Verständnis voraussetzt. Dadurch unterscheidet sie sich vom "Kurzreferat"; die Benennungen "Zusammenfassung" und "Kurzreferat" sollten daher nicht synonym benutzt werden.

Annotation:

Die Annotation ist eine möglichst kurze allgemeine Charakterisierung eines Dokuments. Sie ist bestimmt durch folgende Merkmale:

a) Sie ist möglichst redundanzfrei, d.h. sie enthält keine Angaben, die aus dem Titel eines Dokuments oder in Verbindung mit dem Titel erschlossen werden können.

b) Sie dient dem weiteren Verständnis des Titels eines Dokuments unabhängig von bestimmten Benutzerbedürfnissen und soll den Hauptgegenstand des Dokuments verdeutlichen.

c) Sie ist rein deskriptiv, braucht nicht aus vollständigen Sätzen zu bestehen und darf nur Angaben enthalten, die aus dem Dokument erschlossen werden können.

Kurzreferat ( Abstract):

Das Kurzreferat gibt kurz und klar den Inhalt des Dokuments wieder. Das Kurzreferat soll informativ ohne Interpretation und Wertung (Ausnahme siehe kritisches Referat) und auch ohne die Originalvorlage verständlich sein. Der Sachtitel soll nicht wiederholt, vielmehr, wenn nötig, ergänzt oder erläutert werden. Es müssen nicht alle Inhaltskomponenten des Dokuments dargestellt, sondern es können diejenigen ausgewählt werden, die von besonderer Bedeutung sind.

Bezüglich des Verfassers wird allgemein zwischen Autoren- und Fremdreferaten unterschieden. Letztere werden in der Regel von nachträglich von Informationsspezialisten geschrieben und publiziert und ermöglichen einen besseren Einstieg in Publikationsdienste bzw. Online-datenbanken. Autorenreferate sind dadurch charakterisiert sind, daß sie zur gleichen Zeit wie die Originaltexte publiziert werden. DIN 1426 legt besonderen Wert darauf, daß ein Autorenreferat deutlich als solches zu kennzeichnen sei.

Nach Umfang und Genauigkeit kann man zwischen drei Typen von Abstracts unterscheiden: das informative Referat, das indikative Referat und das informativ-indikativen Referaten als Zwischenform. # Wo hört das wörtliche Zitat auf?

DIN 1426: "Das informative Kurzreferat gibt so viel Information wieder, wie Typ und Stil des Dokuments zulassen. Es gibt insbesondere Auskunft über das behandelte Gebiet, Zielsetzungen, Hypothesen, Methoden, Ergebnisse und Schlußfolgerungen der im Originaldokument enthaltenen Überlegungen und Darstellungen, einschließlich der Fakten und Daten.

Das indikative Referat gibt lediglich an, wovon ein Dokument handelt. Es weist den Leser auf die im Dokument behandelten Sachverhalte hin und deutet die Art der Behandlung an, aber gibt nicht konkrete Resultate der im Dokument enthaltenen Überlegungen oder dargestellten Untersuchungen wieder.

Das informativ-indikative Referat ist eine Mischform, die den Benutzer über ausgewählte Sachverhalte informiert und andere Sachverhalte nur erwähnt.
Im Normalfall soll informativ referiert werden. In begründeten Fällen, z.B. bei längeren Texten, wie Übersichtsdarstellungen, Literaturberichten und vollständigen Monographien, kann ein indikatives Refrat verwendet werden. Für das informativ-indikative Referat soll man sich insbesondere dann entscheiden, wenn Beschränkungen bezüglich der Länge des Kurzreferates oder Typ und Stil des Dokuments ein informatives Referat nicht möglich machen.

Abstracts werden in der Regel mit Blick auf einen anonymen Benutzerkreis hin produziert, eine Ausnahme stellen aber die sogenannten "slanted abstracts" dar, die meistens für betriebsinterne Zwecke auf einen genau definierten Benutzerkreis hin erstellt werden. Dabei ist das Abstraktionskriterium das Benutzerprofil der Zielgruppe. Solche Abstracts müssen also keine vollständigen Zusammenfassungen von Texten sein, sondern filtern die Texte gezielt nach bestimmten Informationen.

Merkmale von Abstracts und Regeln zu ihrer Erstellung

Die allgemeinen Merkmale von Referaten sind in der Fachliteratur weitgehend unumstritten, auch wenn Einigkeit darüber besteht, daß sie nur annäherungsweise zu realisieren sind (z.B. Konflikte zwischen Vollständigkeit und Kürze). Die Ausprägungen dieser allgemeinen Merkmale variieren natürlich je nach Abstract-Typ, so daß die Norm zur Vermeidung von Mißverständnissen vorschlägt, die Bezeichnung "Referat" nur in Komposita und Zusammensetzung zu benutzen (z.B. indikatives Referat.

Wortlaut der Norm:
  1. Vollständigkeit. das Kurzreferat muß für den Fachmann des jeweiligen Bereichs ohne Rückgriff auf das Originaldokument verständlich sein. Alle wesentlichen Sachverhalte sollen - auch im Hinblick auf die maschinelle Recherche- im Kurzreferat explizit enthalten sein. Hierzu gehören. Hypothese, Zielsetzung, Gegenstand, Verfahren, Methode, Ergebnis, Schlußfolgerung, Anwendung, Zeitraum, geographischer Raum. Der Titel soll jedoch im Kurzreferat nicht wiederholt werden. Um Fehlinformation der Benutzer und Ballast bei der maschinellen Recherche  zu vermeiden, sollen Nebenthemen nur dann berücksichtigt werden, wenn das Originaldokument ausreichend informative Aussagen enthält und ein besonderer Grund vorliegt.
  2. Genauigkeit. Das Kurzreferat soll genau die Inhalte und die Meinung der Originalarbeit wiedergeben, d.h. es soll weder die Akzente des Originals verschieben noch im Original nicht enthaltene Angaben bringen.
  3. Objektivität. Das Kurzreferat soll sich jeder Wertung enthalten. Zwar bedeuten Auswahl und Darstellung der referierten Sachverhalte immer einen subjektiven Einfluß des Referenten, doch soll dieser soweit wie möglich reduziert werden. Deshalb empfiehlt es sich, den Aufbau des Kurzreferats am Aufbau des Originaldokuments auszurichten sowie die Therminologie des Autors und direkte Zitate übernehmen.
  4. Kürze. Das Kurzreferat soll so kurz wie möglich sein. Überflüssige Redewendungen sind daher zu vermeiden. Allgemein bekannte Abkürzungen sowie - in einigen Fachbereichen - der Einsatz von graphischen Hilfsmitteln ( z.B. Strukturformeln) können ebenfalls zur Kürzung der Inhaltsangabe beitragen.
  5. Verständlichkeit. Das Kurzreferat soll verständlich sein. Dies ist zu erreichen durch:
    • Verwendung möglichst weitverbreiteter Fachausdrücke
    • Verwendung national oder international eingeführten Nomenklaturen, Maßangaben, Formelzeichen, Symbole und Abkürzungen
    • Vermeidung ungebräuchlicher Fachausdrücke (Vom Verfasser der Originalarbeit neu eingeführte Ausdrücke sollen erwähnt und erläutert werden).

DIN 1426 regt ausdrücklich an, im konkreten Fall eigene Regelwerke zu erstellen, die je nach Verwendungszweck die Merkmalsbeschreibung eindeutig machen sollen. DIN 1426 ist also nicht als unmittelbare Handlungsweisung zu verstehen, sondern bedarf der jeweiligen Anpassung. Regelwerke betonen meistens lediglich die formalen Eigenschaften von Abstracts ( z.B. Umfang, Syntaxmuster). Man muß ihnen kaum entnehmen, woraus denn der eigentliche intelligente Prozeß ( die Kunst) besteht, der zu einem guten Abstract führt.

Aufgaben eines Regelwerks

  • Auswahl Festlegung der Reihenfolge der Auswertungselementeder Auswertungselemente
  • Zusammenfassung der Auswertungselemente zu Datengruppen
  • Festlegung der Wertigkeit der Datenelemente/ Unterscheidung zw. Muß-,Soll- und Kann-Datenelementen: Muss-Datenelemente sind unverzichtbar. Soll-Datenelemente sollen möglichst angesetzt werden. Kann-Datenelemente enthalten zusätzliche Informationen.
  • Festlegung der Eintragungsart: Haupteintragung, Nebeneintragung, Verweisung
  • Darstellung formaler Angaben entweder: nach Vorlage oder vorgeschriebenen Ansetzungsformen
  • Normierung von Daten
  • Festlegung von Ansetzungsformen (z.B. Schreibweise von Personennamen/ Abkürzung für geographische Bezeichnungen, Unterscheidung der Titelarten nach Serientitel, Untertitel, Originaltitel usw.)

Literatur:

Kuhlen, Rainer (1997). "Abstracts - Abstracting - Intellektuelle und maschinelle Verfahren", in: Buder, Marianne; Rehfeld, Werner; Seeger,

Thomas; Strauch, Dietmar (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. München et al.: K.G. Saur, 1997

Hier könnt Ihr testen, wieviel Ihr vom Thema Abstract behalten habt:

Autorinnen: Christiane Krause, Esther Rosendahl, Mona Sleem Amer , Julia Conrads, Nicole Neiper, Katrin Zink